calcolihoreca

Kostenlose Rechner für Restaurants, Bars und Pizzerien. Die Ergebnisse sind betriebliche Schätzungen und ersetzen keine steuerliche, gesundheitliche, rechtliche oder technische Beratung.

Alle RechnerBlogKontaktÜber unsDatenschutz
Made in Italy
calcoli·HoReCaKostenlose Rechner für die Gastronomie
Start/Blog/Finanzen

Finanzen

Prime Cost: die Kennzahl, die wichtiger ist als der Wareneinsatz

Prime Cost summiert Wareneinsatz und Personalkosten: die Kennzahl, die über die Rentabilität entscheidet. Formel, Zielwerte und Rechenbeispiele.

Aggiornato: 2.6.2026
Lesezeit5 Min.

Thema: Finanzen. Mit Formeln, Beispielen und verknüpften Rechnern.

Indice
  1. Kurze Antwort
  2. Was der Prime Cost ist und warum er wichtiger ist als der Wareneinsatz
  3. Die Prime-Cost-Formel
  4. Ein vollständiges Rechenbeispiel
  5. Zielwerte je Format
  6. Wie man den Prime Cost senkt (ohne Qualität zu opfern)
  7. Prime Cost und Verkaufspreis
  8. Häufige Fehler
  9. Verwandte Ressourcen

Kurze Antwort

Der Prime Cost ist die Summe aus Wareneinsatz (Lebensmittel und Getränke) und gesamten Personalkosten, ausgedrückt als Prozentsatz des Nettoumsatzes. Es ist die wichtigste Kennzahl, weil sie die zwei größten und am besten steuerbaren Ausgaben eines Restaurants erfasst. Ein gesunder Prime Cost liegt zwischen 55% und 65%: über 70% ist der Betrieb in Schwierigkeiten.

Was der Prime Cost ist und warum er wichtiger ist als der Wareneinsatz

Die meisten Gastronomen starren obsessiv auf den Wareneinsatz und ignorieren den Prime Cost. Das ist ein Fehler. Der Wareneinsatz sagt, wie viel man für Rohstoffe ausgibt, erzählt aber allein nicht die ganze Geschichte. Ein Gericht mit perfektem Wareneinsatz von 28% kann trotzdem Verlust bringen, wenn man zum Zubereiten und Servieren drei Leute in der Küche und zwei im Service bezahlt.

Der Prime Cost vereint die zwei Posten, die wirklich auf die Gewinn- und Verlustrechnung drücken: das Essen (samt Getränken) und die Arbeit. In einem durchschnittlichen Restaurant machen diese beiden Zeilen 55-65% des Umsatzes aus. Alles andere — Miete, Nebenkosten, Abschreibungen, Marketing — ist wichtig, aber starrer und kurzfristig schwerer zu beeinflussen. Den Prime Cost dagegen steuert man jeden Tag über Einkauf und Dienstplan.

Deshalb schaut, wer methodisch führt, zuerst auf den Prime Cost: er ist das Thermometer der operativen Rentabilität.

Die Prime-Cost-Formel

Die Formel ist einfach:

Prime Cost % = (Wareneinsatz + Personalkosten) / Nettoumsatz × 100

Dabei gilt:

  • Wareneinsatz = Kosten aller im Zeitraum verbrauchten Rohstoffe (Essen und Getränke), berechnet nach tatsächlichem Verbrauch: Anfangsbestand + Einkäufe − Endbestand.
  • Personalkosten = die vollen Arbeitgeberkosten, nicht der Nettolohn. Inklusive Bruttolohn, Sozialabgaben, Lohnnebenkosten und anteilige Sonderzahlungen.
  • Nettoumsatz = Erlöse ohne Mehrwertsteuer.

Der Nenner muss immer der Nettoumsatz sein. Den Bruttowert zu verwenden ist der häufigste Fehler und lässt alles rosiger erscheinen, als es ist.

Ein vollständiges Rechenbeispiel

Nehmen wir ein Restaurant mit diesen Monatsdaten:

| Position | Betrag | |---|---| | Nettoumsatz | 60.000 € | | Wareneinsatz (Essen + Getränke) | 18.600 € | | Personalkosten (voll belastet) | 19.800 € | | Prime Cost | 38.400 € |

Wir rechnen:

  • Wareneinsatz % = 18.600 / 60.000 = 31%
  • Personalkosten % = 19.800 / 60.000 = 33%
  • Prime Cost % = 38.400 / 60.000 = 64%

64% liegen am oberen Rand des Akzeptablen. Der Betrieb verdient, aber mit wenig Sicherheitsmarge: ein schwacher Monat oder steigende Rohstoffpreise reichen für rote Zahlen. Um die eigenen Zahlen zu prüfen, beginne mit dem Wareneinsatz-Rechner und dem Personalkosten-Rechner und addiere sie dann.

Zielwerte je Format

Der ideale Prime Cost verschiebt sich je nach Betriebstyp. Es gibt keine einzelne Zahl für alle.

| Format | Wareneinsatz | Personal | Prime Cost Ziel | |---|---|---|---| | Fine Dining | 30-35% | 30-35% | 60-68% | | Vollservice-Restaurant | 28-33% | 28-33% | 55-65% | | Casual / Bistro | 30-35% | 25-30% | 55-63% | | Pizzeria | 22-28% | 22-28% | 48-55% | | Bar / Café | 18-25% | 25-32% | 45-55% | | Fast Casual / Take-away | 28-33% | 18-25% | 48-58% |

Die zugrunde liegende Logik ist der Tausch zwischen Essen und Arbeit. Fine Dining hat hohen Wareneinsatz wegen hochwertiger Zutaten, aber auch teures, zahlreiches Personal: der Prime Cost bleibt hoch und muss über höhere Preise und Durchschnittsbons ausgeglichen werden. Ein Take-away hat wenig Servicepersonal und kann sich daher einen etwas großzügigeren Wareneinsatz leisten.

Wie man den Prime Cost senkt (ohne Qualität zu opfern)

Es gibt zwei Hebel. Die meisten Gastronomen ziehen nur einen.

Beim Wareneinsatz:

  • Standardisiere Rezepte mit Datenblättern und Portionskontrolle und beseitige das Plattieren "nach Gefühl", das Margen frisst.
  • Verhandle mit Lieferanten und bündle Bestellungen für bessere Preise.
  • Greife die Verschwendung an: Putzverluste, Verderb, Küchenfehler. Ein Verschwendungs-Audit holt oft 2-3 Punkte Wareneinsatz zurück.
  • Betreibe Menu Engineering: pushe margenstarke Gerichte und streiche oder bepreise die Verlustbringer neu.

Bei den Personalkosten:

  • Baue Dienstpläne auf echten Frequenzdaten, nicht auf Gewohnheit. Überbesetzung in Schwachzeiten ist der Killer Nummer eins.
  • Miss die Produktivität mit Umsatz pro Arbeitsstunde.
  • Schule das Team in Vielseitigkeit: weniger Leute decken in Spitzen mehr Aufgaben ab.
  • Behalte Überstunden im Blick, sie wiegen meist schwerer als gedacht.

Die goldene Regel: senke nie die Qualität, um den Prime Cost zu jagen. Ein schlechteres Gericht senkt Bon und Bewertungen, und das Mittel wird schlimmer als die Krankheit.

Prime Cost und Verkaufspreis

Der Prime Cost zeigt auch, ob die Preise halten. Kennt man das Ziel des eigenen Formats, kann man rückwärts rechnen. Beispiel: Will man einen Prime Cost von 60% und ein Gericht hat Kombikosten (Rohstoffe + geschätzter Arbeitsanteil) von 6 €, ist der Netto-Mindestverkaufspreis:

Nettopreis = Kombikosten / Prime-Cost-Ziel = 6 / 0,60 = 10 €

Mit Mehrwertsteuer kommt man zum Kartenpreis. Diese Methode vermeidet das Bepreisen "nach Gefühl" oder das Kopieren der Konkurrenz, was der schnellste Weg zu falschen Margen ist.

Häufige Fehler

  • Nur auf den Wareneinsatz schauen. Das ist die halbe Geschichte. Lehrbuch-Wareneinsatz bei entgleisten Personalkosten bringt trotzdem Verluste.
  • Auf den Bruttoumsatz rechnen. Das bläht den Nenner auf und versteckt Probleme. Immer netto.
  • Den Nettolohn ansetzen. Die echten Arbeitgeberkosten umfassen Abgaben und Sonderzahlungen: oft 35-45% über dem Netto.
  • Nur zum Jahresende prüfen. Dann ist der Schaden bereits da. Lies den Prime Cost wöchentlich, mindestens monatlich.
  • Mit dem falschen Format vergleichen. Eine Bar ist kein Fine Dining. Nutze die Ziele deines Segments.
  • Qualität opfern, um die Bücher auszugleichen. Ein Bumerang: der Bon sinkt, die Bewertungen sinken, der Umsatz sinkt.

Verwandte Ressourcen

Um deine Zahlen zu berechnen und den Prime Cost deines Betriebs aufzubauen:

  • Wareneinsatz-Rechner — berechne die Rohstoffkosten und ihren Anteil am Umsatz.
  • Personalkosten-Rechner — schätze die echten Arbeitgeberkosten samt Abgaben.

Addiere beide Ergebnisse, teile durch den Nettoumsatz, und du hast deinen Prime Cost. Verfolge ihn jeden Monat: das ist die Zahl, die dir vor jeder anderen sagt, ob dein Restaurant wirklich verdient.

Schnelle Antworten

Häufige Fragen

Was ist ein guter Prime Cost für ein Restaurant?

Für Restaurants mit Tischservice liegt ein gesunder Prime Cost zwischen 55% und 65% des Nettoumsatzes. Unter 60% arbeitet man mit bequemer Marge, über 70% steckt der Betrieb strukturell in Schwierigkeiten.

Worin unterscheiden sich Prime Cost und Wareneinsatz?

Der Wareneinsatz misst nur die Rohstoffkosten. Der Prime Cost summiert Wareneinsatz und gesamte Personalkosten (Löhne, Sozialabgaben, Lohnnebenkosten): die zwei größten und am besten steuerbaren Ausgabenposten.

Wird auf Brutto- oder Nettoumsatz gerechnet?

Immer auf den Nettoumsatz, also ohne Mehrwertsteuer. Der Bruttowert bläht den Nenner auf und lässt den Prime Cost niedriger erscheinen, als er ist, was Entscheidungen verfälscht.

Wie oft sollte man den Prime Cost prüfen?

Idealerweise wöchentlich, mindestens monatlich zum Abschluss. Wöchentliche Kontrolle erlaubt es, Schichten und Verschwendung anzupassen, bevor der Schaden strukturell wird.

Gilt der Prime Cost auch für Bars und Pizzerien?

Ja, aber die Zielwerte ändern sich. Eine Bar hat niedrigeren Wareneinsatz und ein anderes Personalprofil; eine Liefer-Pizzeria kaum Servicepersonal. Die Methode ist identisch, nur die Schwellen verschieben sich je nach Format.