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Lieferdienst-Provisionen: Wie viel Glovo, Deliveroo und Just Eat einbehalten

Wie viel Lieferplattformen wie Glovo, Deliveroo und Just Eat von Restaurants einbehalten: echte Provisionssätze, versteckte Kosten, MwSt. und deine wahre Marge.

Aggiornato: 2.6.2026
Lesezeit5 Min.

Thema: Delivery. Mit Formeln, Beispielen und verknüpften Rechnern.

Indice
  1. Kurze Antwort
  2. Wie Lieferdienst-Provisionen wirklich funktionieren
  3. Wie viel Glovo, Deliveroo und Just Eat einbehalten
  4. Die MwSt.: der Kostenpunkt, den fast niemand rechnet
  5. Die echte Marge: das vollständige Beispiel
  6. So verteidigst du deine Liefer-Marge
  7. Selbstlieferung vs. Plattform-Lieferung
  8. Häufige Fehler
  9. Verwandte Ressourcen

Kurze Antwort

Lieferplattformen behalten im Schnitt zwischen 15% und 35% des Bestellwerts ein. Üblich sind 28-32% plus MwSt., wenn der Fahrer von der Plattform kommt. Glovo und Deliveroo liegen oben, weil sie die Lieferung einschließen; Just Eat kann günstiger sein, wenn du eigene Fahrer einsetzt. Der Haken: Die Provision wird auf den Bruttopreis inklusive MwSt. berechnet, und auf die Provision selbst fällt nochmals MwSt. an. Die echte Marge siehst du nur, wenn du Gericht für Gericht rechnest.

Wie Lieferdienst-Provisionen wirklich funktionieren

Wenn du dich bei einer Plattform anmeldest, unterschreibst du keinen einzelnen Prozentsatz, sondern wählst (oft unbewusst) ein Servicepaket. Die drei Hauptmodelle:

  • Nur Schaufenster (Marktplatz): Die Plattform bringt dir die Bestellung, aber du lieferst selbst mit eigenen Fahrern. Die günstigste Variante.
  • Lieferung inklusive: Die Plattform stellt die Fahrer. Hier steigt die Provision, weil du auch die Logistik bezahlst.
  • Komplettbetreuung: Sichtbarkeit auf der Startseite, gesponserte Platzierungen, Profifotos. Kostet mehr, steigert aber das Volumen.

Die Provision ist ein Prozentsatz vom Bestellwert, keine Pauschale. Je mehr du verkaufst, desto mehr zahlst du absolut. Deshalb leidet ein Restaurant mit niedrigem Durchschnittsbon und vielen Bestellungen stärker als eines mit wenigen, hochwertigen Bestellungen.

Wie viel Glovo, Deliveroo und Just Eat einbehalten

Die Sätze ändern sich im Lauf der Zeit und je nach verhandeltem Vertrag, aber die Marktspannen sind recht stabil. Orientierungsbild (ohne MwSt., sofern nicht anders angegeben):

| Plattform | Nur Schaufenster (eigene Fahrer) | Lieferung inklusive | Anmerkungen | |---|---|---|---| | Glovo | ~15-20% | ~28-32% | Stark in mittelgroßen bis großen Städten, drängt auf Sponsoring | | Deliveroo | ~18-22% | ~28-35% | Premium-Positionierung, ausgabefreudigere Kundschaft | | Just Eat | ~12-18% | ~28-30% | Historisch flexibler bei Selbstlieferung |

Diese Zahlen sind Richtwerte: Jeder Vertrag ist verhandelbar, besonders ab einem gewissen Bestellvolumen. Der Nominalsatz ist nur der Ausgangspunkt.

Die MwSt.: der Kostenpunkt, den fast niemand rechnet

Hier versteckt sich der teuerste Fehler. Die angezeigte Provision ist fast immer ohne MwSt.. Auf die Provision schlägt die Plattform die MwSt. auf (19% in Deutschland), die ein vorsteuerabzugsberechtigter Betrieb teils zurückholt, die aber Liquidität und unmittelbare Margenrechnung belastet.

Zudem wird der Prozentsatz auf den Bruttopreis berechnet, den der Kunde sieht (inklusive Speisen-MwSt.). Bei einem Gericht für 11,77 € (11 € + 7% MwSt.) gilt eine Provision von 30% also auf 11,77 €, nicht auf 11 €.

Konkretes Beispiel bei einer Bestellung von 30 € brutto mit Lieferung inklusive zu 30%:

Bruttopreis Kunde             = 30,00 €
Provision 30%                 = 9,00 €
MwSt. 19% auf die Provision   = 1,71 €
Gesamtkosten Plattform        = 10,71 €
Nettoeingang von Plattform    = 30,00 - 10,71 = 19,29 €

Du hast 19,29 € eingenommen, nicht die 21 €, die ein „glatter" 30%-Satz suggeriert. Davon musst du noch Wareneinsatz und Verpackung abziehen. Damit die Rechnung in jeder Konstellation stimmt, nutze den Lieferprovisions-Rechner.

Die echte Marge: das vollständige Beispiel

Nehmen wir dieselbe 30-€-Bestellung und rechnen bis zum Ende durch. Annahme: 30% Wareneinsatz, 4% Verpackung.

| Posten | Betrag | |---|---| | Bruttopreis Kunde | 30,00 € | | − Provision 30% | −9,00 € | | − MwSt. 19% auf Provision | −1,71 € | | − Wareneinsatz (30% von 30 €) | −9,00 € | | − Verpackung (4%) | −1,20 € | | Verbleibende Marge | 9,09 € |

Von 30 € Einnahme bleiben dir rund 9,09 € (30%) für Personal, Miete, Nebenkosten und Gewinn. Im Lokal, ohne Provision, ließe dasselbe Gericht fast 18 € Rohmarge. Genau diese Differenz entdecken viele Betreiber erst zum Monatsende.

So verteidigst du deine Liefer-Marge

Es geht nicht darum, den Kanal aufzugeben, sondern ihn tragfähig zu machen. Die wichtigsten Hebel:

  1. Eigene Liefer-Karte: Gerichte, die den Transport überstehen, kein Frittiertes, das matschig ankommt. Weniger Rückerstattungen und schlechte Bewertungen.
  2. Kontrollierter App-Aufschlag: +10-15% gegenüber dem Lokal ist gängig, um die Provision aufzufangen. Aber die Preisparitätsklauseln im Vertrag prüfen.
  3. Mindestbestellwert: Schwelle anheben, damit sich die fixen Verpackungskosten auf einen höheren Wert verteilen.
  4. Direktkanal pushen: Jede Bestellung über die eigene Website oder WhatsApp ist provisionsfrei. Nutze die App, um sichtbar zu werden, und binde dann die Kundschaft.
  5. Verhandeln: Ab einem gewissen Volumen passen Plattformen die Sätze an. Fragen kostet nichts.

Selbstlieferung vs. Plattform-Lieferung

Die strukturellste Entscheidung ist, wer das Essen bringt. Schneller Vergleich:

| Aspekt | Plattform-Fahrer | Eigene Fahrer (Selbstlieferung) | |---|---|---| | Provision | Hoch (28-35%) | Niedrig (12-20%) | | Logistikkosten | Inklusive | Zu deinen Lasten (Löhne, Fahrzeuge, Versicherung) | | Liefer-Qualitätskontrolle | Gering | Hoch | | Gebietsabdeckung | Weit | Auf deinen Radius begrenzt |

Selbstlieferung lohnt sich bei hohem, konzentriertem Volumen in einem engen Gebiet: Die Fixkosten eines Fahrers verteilen sich auf viele Bestellungen. Unter einer gewissen Schwelle bleibt die Plattform-Lieferung trotz höherer Provision günstiger.

Häufige Fehler

  • Nominalsatz mit Realkosten verwechseln: Aus „glatten" 30% werden mit MwSt. auf die Provision fast 36%.
  • Provision auf den Nettopreis rechnen: Die Plattform wendet sie immer auf den Bruttowert inklusive MwSt. an.
  • Denselben Lokal-Preis in der App nutzen: Ohne Aufschlag arbeiten viele Gerichte am Nullpunkt oder im Minus.
  • Verpackung vergessen: Boxen, Besteck und Tüten machen leicht 3-5% der Bestellung aus.
  • Alle Gerichte gleich behandeln: Manche reisen mit guter Marge, andere nicht. Alles in der App zu verkaufen ist ein Fehler.
  • Gesponserte Bestellungen ignorieren: Bezahlte Platzierungen kommen zur Provision hinzu und sind separat zu rechnen.

Verwandte Ressourcen

  • Lieferprovisions-Rechner — was dir pro Bestellung wirklich bleibt, inklusive MwSt.
Schnelle Antworten

Häufige Fragen

Wie viel behält eine Lieferplattform im Schnitt ein?

Die Provisionen liegen zwischen 15% und 35% des Bestellwerts, je nach Paket (nur Schaufenster, Lieferung inklusive, Komplettbetreuung). Üblich sind 28-32% plus MwSt., wenn der Fahrer von der Plattform kommt. Prüfe stets, ob der Vertragssatz mit oder ohne MwSt. angegeben ist.

Wird die Provision auch auf die MwSt. der Speisen berechnet?

Fast immer ja: Die Plattform berechnet ihren Prozentsatz auf den Bruttopreis, den der Kunde sieht, also inklusive MwSt. Zusätzlich zahlst du MwSt. auf die Provision selbst. Zwei getrennte Posten, die zusammen die Marge stärker auffressen, als es scheint.

Sollte ich die App-Preise gegenüber dem Lokal anheben?

Oft ja, um die Provision auszugleichen, aber mit Augenmaß. Ein Aufschlag von 10-15% auf die Liefer-Karte ist gängige Praxis. Achte auf Preisparitätsklauseln in manchen Verträgen, die höhere App-Preise verbieten.

Welche Plattform ist für ein Restaurant am günstigsten?

Das hängt vom Paket ab: Just Eat hat oft niedrigere Grundsätze, wenn du eigene Fahrer nutzt, während Glovo und Deliveroo teurer sind, dafür aber liefern. Es gibt keinen absoluten Sieger: Entscheidend ist die Nettomarge deiner Karte, nicht der nominale Prozentsatz.

Wie berechne ich, was mir bei einer Bestellung wirklich bleibt?

Vom Bruttopreis ausgehen, Provision plus deren MwSt. abziehen, dann Wareneinsatz und Verpackung abrechnen. Was übrig bleibt, ist deine echte Marge. Nutze einen Rechner, um nicht bei einzelnen Gerichten Verlust zu machen.