Kurze Antwort
Lieferplattformen behalten im Schnitt zwischen 15% und 35% des Bestellwerts ein. Üblich sind 28-32% plus MwSt., wenn der Fahrer von der Plattform kommt. Glovo und Deliveroo liegen oben, weil sie die Lieferung einschließen; Just Eat kann günstiger sein, wenn du eigene Fahrer einsetzt. Der Haken: Die Provision wird auf den Bruttopreis inklusive MwSt. berechnet, und auf die Provision selbst fällt nochmals MwSt. an. Die echte Marge siehst du nur, wenn du Gericht für Gericht rechnest.
Wie Lieferdienst-Provisionen wirklich funktionieren
Wenn du dich bei einer Plattform anmeldest, unterschreibst du keinen einzelnen Prozentsatz, sondern wählst (oft unbewusst) ein Servicepaket. Die drei Hauptmodelle:
- Nur Schaufenster (Marktplatz): Die Plattform bringt dir die Bestellung, aber du lieferst selbst mit eigenen Fahrern. Die günstigste Variante.
- Lieferung inklusive: Die Plattform stellt die Fahrer. Hier steigt die Provision, weil du auch die Logistik bezahlst.
- Komplettbetreuung: Sichtbarkeit auf der Startseite, gesponserte Platzierungen, Profifotos. Kostet mehr, steigert aber das Volumen.
Die Provision ist ein Prozentsatz vom Bestellwert, keine Pauschale. Je mehr du verkaufst, desto mehr zahlst du absolut. Deshalb leidet ein Restaurant mit niedrigem Durchschnittsbon und vielen Bestellungen stärker als eines mit wenigen, hochwertigen Bestellungen.
Wie viel Glovo, Deliveroo und Just Eat einbehalten
Die Sätze ändern sich im Lauf der Zeit und je nach verhandeltem Vertrag, aber die Marktspannen sind recht stabil. Orientierungsbild (ohne MwSt., sofern nicht anders angegeben):
| Plattform | Nur Schaufenster (eigene Fahrer) | Lieferung inklusive | Anmerkungen | |---|---|---|---| | Glovo | ~15-20% | ~28-32% | Stark in mittelgroßen bis großen Städten, drängt auf Sponsoring | | Deliveroo | ~18-22% | ~28-35% | Premium-Positionierung, ausgabefreudigere Kundschaft | | Just Eat | ~12-18% | ~28-30% | Historisch flexibler bei Selbstlieferung |
Diese Zahlen sind Richtwerte: Jeder Vertrag ist verhandelbar, besonders ab einem gewissen Bestellvolumen. Der Nominalsatz ist nur der Ausgangspunkt.
Die MwSt.: der Kostenpunkt, den fast niemand rechnet
Hier versteckt sich der teuerste Fehler. Die angezeigte Provision ist fast immer ohne MwSt.. Auf die Provision schlägt die Plattform die MwSt. auf (19% in Deutschland), die ein vorsteuerabzugsberechtigter Betrieb teils zurückholt, die aber Liquidität und unmittelbare Margenrechnung belastet.
Zudem wird der Prozentsatz auf den Bruttopreis berechnet, den der Kunde sieht (inklusive Speisen-MwSt.). Bei einem Gericht für 11,77 € (11 € + 7% MwSt.) gilt eine Provision von 30% also auf 11,77 €, nicht auf 11 €.
Konkretes Beispiel bei einer Bestellung von 30 € brutto mit Lieferung inklusive zu 30%:
Bruttopreis Kunde = 30,00 €
Provision 30% = 9,00 €
MwSt. 19% auf die Provision = 1,71 €
Gesamtkosten Plattform = 10,71 €
Nettoeingang von Plattform = 30,00 - 10,71 = 19,29 €
Du hast 19,29 € eingenommen, nicht die 21 €, die ein „glatter" 30%-Satz suggeriert. Davon musst du noch Wareneinsatz und Verpackung abziehen. Damit die Rechnung in jeder Konstellation stimmt, nutze den Lieferprovisions-Rechner.
Die echte Marge: das vollständige Beispiel
Nehmen wir dieselbe 30-€-Bestellung und rechnen bis zum Ende durch. Annahme: 30% Wareneinsatz, 4% Verpackung.
| Posten | Betrag | |---|---| | Bruttopreis Kunde | 30,00 € | | − Provision 30% | −9,00 € | | − MwSt. 19% auf Provision | −1,71 € | | − Wareneinsatz (30% von 30 €) | −9,00 € | | − Verpackung (4%) | −1,20 € | | Verbleibende Marge | 9,09 € |
Von 30 € Einnahme bleiben dir rund 9,09 € (30%) für Personal, Miete, Nebenkosten und Gewinn. Im Lokal, ohne Provision, ließe dasselbe Gericht fast 18 € Rohmarge. Genau diese Differenz entdecken viele Betreiber erst zum Monatsende.
So verteidigst du deine Liefer-Marge
Es geht nicht darum, den Kanal aufzugeben, sondern ihn tragfähig zu machen. Die wichtigsten Hebel:
- Eigene Liefer-Karte: Gerichte, die den Transport überstehen, kein Frittiertes, das matschig ankommt. Weniger Rückerstattungen und schlechte Bewertungen.
- Kontrollierter App-Aufschlag: +10-15% gegenüber dem Lokal ist gängig, um die Provision aufzufangen. Aber die Preisparitätsklauseln im Vertrag prüfen.
- Mindestbestellwert: Schwelle anheben, damit sich die fixen Verpackungskosten auf einen höheren Wert verteilen.
- Direktkanal pushen: Jede Bestellung über die eigene Website oder WhatsApp ist provisionsfrei. Nutze die App, um sichtbar zu werden, und binde dann die Kundschaft.
- Verhandeln: Ab einem gewissen Volumen passen Plattformen die Sätze an. Fragen kostet nichts.
Selbstlieferung vs. Plattform-Lieferung
Die strukturellste Entscheidung ist, wer das Essen bringt. Schneller Vergleich:
| Aspekt | Plattform-Fahrer | Eigene Fahrer (Selbstlieferung) | |---|---|---| | Provision | Hoch (28-35%) | Niedrig (12-20%) | | Logistikkosten | Inklusive | Zu deinen Lasten (Löhne, Fahrzeuge, Versicherung) | | Liefer-Qualitätskontrolle | Gering | Hoch | | Gebietsabdeckung | Weit | Auf deinen Radius begrenzt |
Selbstlieferung lohnt sich bei hohem, konzentriertem Volumen in einem engen Gebiet: Die Fixkosten eines Fahrers verteilen sich auf viele Bestellungen. Unter einer gewissen Schwelle bleibt die Plattform-Lieferung trotz höherer Provision günstiger.
Häufige Fehler
- Nominalsatz mit Realkosten verwechseln: Aus „glatten" 30% werden mit MwSt. auf die Provision fast 36%.
- Provision auf den Nettopreis rechnen: Die Plattform wendet sie immer auf den Bruttowert inklusive MwSt. an.
- Denselben Lokal-Preis in der App nutzen: Ohne Aufschlag arbeiten viele Gerichte am Nullpunkt oder im Minus.
- Verpackung vergessen: Boxen, Besteck und Tüten machen leicht 3-5% der Bestellung aus.
- Alle Gerichte gleich behandeln: Manche reisen mit guter Marge, andere nicht. Alles in der App zu verkaufen ist ein Fehler.
- Gesponserte Bestellungen ignorieren: Bezahlte Platzierungen kommen zur Provision hinzu und sind separat zu rechnen.
Verwandte Ressourcen
- Lieferprovisions-Rechner — was dir pro Bestellung wirklich bleibt, inklusive MwSt.