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Eigene Lieferung oder Plattformen: Was sich wirklich lohnt

Eigene Lieferung oder Plattformen wie Lieferando und Wolt: Vergleich von Kosten, Margen und Volumen, um zu klären, was sich für dein Lokal wirklich lohnt, mit Beispielen.

Aggiornato: 2.6.2026
Lesezeit5 Min.

Thema: Lieferung. Mit Formeln, Beispielen und verknüpften Rechnern.

Indice
  1. Kurze Antwort
  2. Die zwei Kostenlogiken im Vergleich
  3. Was der Plattform-Kanal kostet
  4. Was die eigene Lieferung kostet
  5. Der Break-even: das Rechenbeispiel
  6. Die echten versteckten Kosten der Eigenlieferung: die Nachfrage
  7. Schnelle Entscheidungstabelle
  8. Häufige Fehler
  9. Verwandte Ressourcen

Kurze Antwort

Es gibt keinen absoluten Sieger: Es hängt vom Volumen und der Dichte deines Gebiets ab. Plattformen kosten viel an Provision (28-35% plus Steuer), haben aber keine Fixkosten: Du zahlst nur, wenn du verkaufst. Die eigene Lieferung hat null Provision, aber hohe Fixkosten (Fahrer, Fahrzeuge, Software). Unterhalb einer bestimmten Bestellschwelle gewinnt die Plattform; darüber die eigene Lieferung. Den Break-even rechnet man aus, man rät ihn nicht.

Die zwei Kostenlogiken im Vergleich

Der entscheidende Unterschied zwischen den Modellen ist nicht der Prozentsatz, sondern die Kostenstruktur.

  • Plattform = variable Kosten. Du zahlst einen Prozentsatz pro Bestellung. Keine Bestellung, keine Kosten. Das Risiko ist gering, aber die Kosten pro Bestellung bleiben für immer hoch, auch beim Wachsen.
  • Eigene Lieferung = Fixkosten. Du zahlst Löhne, Fahrzeuge und Software unabhängig von den Bestellungen. Die Kosten pro Bestellung sind extrem hoch bei wenig Umsatz, fallen aber, je mehr das Volumen steigt.

Es ist dieselbe Logik wie Auto mieten für einen Tag (variabel) gegen kaufen (fix): unter einer gewissen Kilometerzahl lohnt Mieten, darüber Kaufen. Die ganze Frage eigene Lieferung oder Plattformen dreht sich darum, wo dieser Break-even liegt.

Was der Plattform-Kanal kostet

Auf Plattformen zahlst du eine prozentuale Provision auf den Bruttobestellwert inklusive Steuer, und auf diese Provision zahlst du erneut Steuer. Die Marktbänder:

| Plattform-Modell | Typische Provision | Fixkosten | |---|---|---| | Nur Schaufenster (eigene Fahrer) | 12-20% | Keine | | Lieferung inklusive | 28-35% | Keine | | Mit gesponserten Platzierungen | +5-10% extra | Variabel |

Bei einer Bestellung über 30 € mit Lieferung inklusive zu 30% übersteigen die realen Kosten 10 €, sobald die Steuer auf die Provision dazukommt. Damit du dich bei keiner Konfiguration verrechnest, nutze den Rechner für Lieferprovisionen: Er zeigt, was nach Provision und Steuer wirklich bleibt.

Was die eigene Lieferung kostet

Hier sind die Kosten fix und müssen ehrlich geschätzt werden. Die wichtigsten Posten eines Vollzeit-Fahrers:

| Posten | Richtwert pro Monat | |---|---| | Bruttolohn + Sozialabgaben | 1.900-2.400 € | | Fahrzeug (Abschreibung oder Leasing) | 150-300 € | | Kraftstoff / Energie | 80-150 € | | Versicherung und Wartung | 50-100 € | | Bestellverwaltungs-Software | 30-80 € | | Monatssumme | ~2.210-2.930 € |

Nehmen wir einen Durchschnitt von 2.500 € pro Monat. Liefert dieser Fahrer 15 Bestellungen pro Tag an 26 Tagen, sind das 390 Bestellungen pro Monat: Die Kosten pro Lieferung betragen 6,41 €. Liefert er 25 pro Tag (650 im Monat), sinken sie auf 3,85 €. Das Volumen ist alles.

Der Break-even: das Rechenbeispiel

Vergleichen wir beide Modelle bei derselben durchschnittlichen Bestellung über 30 €, mit 30% Plattform-Provision plus Steuer.

Plattform-Kanal-Kosten pro Bestellung:

Provision 30% auf 30 €         = 9,00 €
Steuer 19% auf die Provision   = 1,71 €
Plattformkosten pro Bestellung = 10,71 €

Kosten der eigenen Lieferung pro Bestellung, nach Volumen (Fahrer zu 2.500 €/Monat):

| Bestellungen/Tag pro Fahrer | Bestellungen/Monat | Kosten pro Lieferung | |---|---|---| | 10 | 260 | 9,62 € | | 15 | 390 | 6,41 € | | 20 | 520 | 4,81 € | | 25 | 650 | 3,85 € |

Die eigene Lieferung schlägt die Plattform (10,71 € pro Bestellung) in diesem Beispiel schon bei 10 Bestellungen pro Tag. Aber Achtung: Dieser Vergleich gilt nur, wenn diese Bestellungen existieren. Die Plattform bringt Nachfrage; die eigene Lieferung verlangt, dass du die Bestellungen selbst erzeugst.

Die echten versteckten Kosten der Eigenlieferung: die Nachfrage

Die obige Rechnung hat eine riesige Grenze: Sie setzt voraus, dass der Fahrer immer ausgelastet ist. In der Realität bedeutet der Verzicht auf Plattformen, ihr Schaufenster zu verlieren. Die meisten Lieferbestellungen entstehen, weil der Kunde die App öffnet und dich dort findet.

Um die eigene Lieferung zu füllen, musst du Nachfrage mit eigenen Mitteln aufbauen: Bestell-Website, optimiertes Google-Profil, WhatsApp Business, Stammkundenbindung, lokale Flyer. Das ist echte Arbeit und kostet. Deshalb funktioniert fast immer das Hybridmodell:

  1. Du bleibst für Sichtbarkeit und entfernte Gebiete auf den Plattformen.
  2. Auf jede Verpackung legst du einen Hinweis: „Bestell direkt, gleicher Preis, schnellere Lieferung."
  3. Du migrierst Stammkunden schrittweise auf den Direktkanal, wo die Provision null ist.

So liefert dein eigener Fahrer vor allem margenstarke Direktbestellungen, und die Plattformen bleiben ein Akquisekanal, nicht deine einzige Quelle.

Schnelle Entscheidungstabelle

| Situation | Empfohlenes Modell | |---|---| | Wenige Bestellungen, weites Gebiet | Nur Plattformen | | Hohes Volumen, enges Gebiet | Eigene Lieferung (+ Plattformen zur Akquise) | | Wenig bekannte Marke | Plattformen, um gefunden zu werden | | Treue, wiederkehrende Kundschaft | Direktkanal fördern | | Hoher durchschnittlicher Bestellwert | Eigene Lieferung lohnt früher | | Niedriger Bestellwert, viele Bestellungen | Prozentprovision tut sehr weh: eigene Lieferung prüfen |

Häufige Fehler

  • Nur den Prozentsatz vergleichen. Die 30% Provision werden nicht mit „null" der Eigenlieferung verglichen: Die Eigenlieferung hat Fixkosten, die auf reale Bestellungen verteilt werden müssen.
  • Die Fahrerkosten unterschätzen. Viele rechnen nur den Lohn und vergessen Fahrzeug, Kraftstoff, Versicherung und Leerlaufzeiten zwischen Lieferungen.
  • Glauben, der Verzicht auf Plattformen treffe das Volumen nicht. Das Schaufenster der Plattform bringt Nachfrage: Ohne Direktakquise-Plan bleibt die eigene Lieferung leer.
  • Preisparitätsklauseln ignorieren. Manche Verträge verbieten niedrigere Preise auf deinem Kanal: lesen, bevor du Rabatte auf der Website versprichst.
  • Nicht nach Gebieten unterscheiden. Die Eigenlieferung funktioniert im kurzen, dichten Radius; entfernte Zonen der Plattform überlassen.
  • Leerlaufzeiten vergessen. Ein Fahrer liefert nicht 25 Bestellungen ohne Pause am Stück: rechne mit realistischen, nicht theoretischen Volumen.

Verwandte Ressourcen

  • Rechner für Lieferprovisionen — was dir pro Plattformbestellung wirklich bleibt, inklusive Steuer, zum Vergleich mit den Kosten deiner eigenen Lieferung
Schnelle Antworten

Häufige Fragen

Wann lohnt sich der Umstieg auf eigene Lieferung?

Wenn du hohes, konzentriertes Bestellvolumen in einem engen Gebiet hast. Die Fixkosten eines eigenen Fahrers (Lohn, Fahrzeug, Versicherung) verteilen sich auf viele Bestellungen: ab etwa 20-25 Bestellungen pro Fahrer und Tag schlägt die eigene Lieferung fast immer die Plattform-Provision.

Was kostet ein eigener Fahrer wirklich?

Zwischen Bruttolohn, Sozialabgaben, Fahrzeug, Wartung, Kraftstoff und Versicherung kostet ein Vollzeit-Fahrer rund 2.200 bis 3.000 € pro Monat. Geteilt durch die gelieferten Bestellungen ergibt das die Kosten pro Lieferung zum Vergleich mit der prozentualen Plattform-Provision.

Kann ich eigene Lieferung und Plattformen kombinieren?

Ja, das ist die häufigste Strategie. Du nutzt Plattformen für Sichtbarkeit und entfernte Gebiete und förderst gleichzeitig Direktbestellungen (Website, WhatsApp, Telefon), die deine eigenen Fahrer ausliefern, bei null Provision. Ein Hybridmodell balanciert Sichtbarkeit und Marge aus.

Verbieten Plattformen einen eigenen Lieferdienst?

Nein, aber manche Verträge enthalten Preisparitätsklauseln, die niedrigere Preise auf deinem Direktkanal untersagen. Lies immer den Vertrag: Keine Plattform kann dir die Eigenlieferung verbieten, aber sie kann deine Preisfreiheit einschränken.

Braucht die eigene Lieferung spezielle Software?

Du brauchst mindestens ein System zur Bestellannahme und -verwaltung (Website mit Speisekarte, WhatsApp-Flow oder eine White-Label-App) und zur Routenoptimierung. Softwarekosten beginnen bei wenigen zehn Euro pro Monat und gehören in die Rentabilitätsrechnung.