Kurze Antwort
GOPPAR (Gross Operating Profit Per Available Room) ist der Bruttobetriebsgewinn je verfügbarem Zimmer. Berechnet wird er, indem man den GOP (Gesamterlös minus Betriebskosten) durch die Zahl der verfügbaren Zimmernächte im Zeitraum teilt. Anders als der RevPAR, der nur den Erlös misst, berücksichtigt der GOPPAR auch die Kosten – darum ist er der ehrlichste Indikator für die tatsächliche Rentabilität eines Hotels. Wer viel einnimmt, aber fast ebenso viel ausgibt, um die Zimmer zu füllen, sieht das sofort am GOPPAR.
Was GOPPAR bedeutet
GOPPAR steht für Gross Operating Profit Per Available Room: Bruttobetriebsgewinn je verfügbarem Zimmer. Das Wort, das den Unterschied zum RevPAR macht, ist Gewinn. Es geht nicht mehr darum, wie viel man pro Zimmer einnimmt, sondern wie viel übrig bleibt, nachdem die Betriebskosten gedeckt sind.
Der Nenner ist derselbe wie beim RevPAR – die verfügbaren Zimmer, leere eingeschlossen – doch der Zähler ändert sich grundlegend: nicht der Erlös, sondern der GOP, das, was nach Personal, Energie, Reinigung, Marketing, OTA-Provisionen und laufender Instandhaltung bleibt.
In einem Satz: Der GOPPAR beantwortet die Frage, die zum Monatsende wirklich zählt – wie viel Betriebsgewinn erzeugt jedes Zimmer, das ich besitze?
Die GOPPAR-Formel
Die Formel ist einfach; die eigentliche Arbeit steckt darin, den GOP korrekt zu berechnen.
GOPPAR = Gross Operating Profit ÷ verfügbare Zimmer im Zeitraum
Wobei:
GOP = Gesamterlös − gesamte Betriebskosten
Achtung beim Nenner: verfügbare Zimmer im Zeitraum bedeutet Zimmer × Nächte. Ein Hotel mit 100 Zimmern hat in einem 30-Tage-Monat 100 × 30 = 3.000 verfügbare Zimmernächte.
Rechenbeispiel
Hotel mit 100 Zimmern, 30-Tage-Monat (3.000 verfügbare Zimmernächte).
| Position | Betrag | |---|---| | Zimmererlös | 210.000 € | | F&B und Extras | 60.000 € | | Gesamterlös | 270.000 € | | Betriebskosten (Personal, Energie, Reinigung, OTA, Marketing, Instandhaltung) | 180.000 € | | GOP | 90.000 € |
GOPPAR = 90.000 € ÷ 3.000 = 30 €
Jedes verfügbare Zimmer, belegt oder nicht, hat 30 € Betriebsgewinn erzeugt. Um diese Rechnung aus den eigenen Erlösen und Kosten zu machen – und auch GOP und Betriebsmarge zu erhalten – nutze den GOPPAR-Rechner.
Was in den GOP gehört (und was nicht)
Der GOP ist ein operativer Gewinn: Er misst, wie gut der laufende Betrieb läuft, vor jenen Posten, die an Eigentum und Finanzstruktur gebunden sind.
| Im GOP | Außerhalb des GOP | |---|---| | Erlöse aus Zimmern, F&B, Spa, Extras | Miete oder Hypothek der Immobilie | | Personalkosten | Zinsen auf Finanzierungen | | Energie, Wasser, Heizung | Ertragsteuern | | Reinigung, Wäsche, Amenities | Abschreibungen | | OTA-Provisionen und Marketing | Außerordentliche Investitionen (CapEx) | | Laufende Instandhaltung | |
Die Logik ist klar: Der GOP isoliert, was das Management tatsächlich täglich steuert. Miete, Zinsen und Steuern hängen von Eigentums- und Steuerentscheidungen ab, nicht vom Geschick im Hotelbetrieb. Darum ist der GOPPAR die Kennzahl, mit der die Managementleistung beurteilt wird.
GOPPAR vs RevPAR: der Unterschied, der Entscheidungen verändert
Das ist der Kern. RevPAR und GOPPAR teilen den Nenner, erzählen aber verschiedene Geschichten.
| KPI | Zähler | Was es misst | |---|---|---| | RevPAR | Zimmererlös | Erlös je verfügbarem Zimmer | | GOPPAR | Bruttobetriebsgewinn | Gewinn je verfügbarem Zimmer |
Der RevPAR ist ein Verkaufsindikator: Er sagt, ob du füllst und zu welchem Preis. Der GOPPAR ist ein Rentabilitätsindikator: Er sagt, ob diese Füllung Marge lässt.
Wenn beide Zahlen sich widersprechen
Stell dir eine aggressive Aktion vor, die das Hotel zu niedrigen Raten füllt.
- RevPAR: steigt, weil du mehr Zimmer verkaufst.
- GOPPAR: kann sinken, weil jedes zusätzliche Zimmer variable Kosten bringt (Reinigung, Frühstück, Wäsche, Nebenkosten), die die Marge aufzehren.
Das ist der klassische Fehler eines unreifen Revenue Managements: dem RevPAR nachzujagen und eine hohe Belegung zu feiern, die zum Monatsende weniger Geld übrig ließ als zuvor. Der GOPPAR entlarvt solche Schritte.
Ein Beispiel, das beide KPIs gegenüberstellt
Zwei Szenarien für dasselbe Hotel mit 100 Zimmern in einer Nacht (100 verfügbare Zimmer).
Szenario A — volle Raten, mittlere Belegung
- 65 Zimmer zu 160 € verkauft → Zimmererlös 10.400 €
- RevPAR = 10.400 ÷ 100 = 104 €
- Betriebskosten der Nacht: 4.500 € → GOP = 5.900 €
- GOPPAR = 5.900 ÷ 100 = 59 €
Szenario B — Aktion, Hotel voll
- 95 Zimmer zu 110 € verkauft → Zimmererlös 10.450 €
- RevPAR = 10.450 ÷ 100 = 104,50 €
- Betriebskosten der Nacht: 6.200 € (mehr Zimmer = mehr Reinigung, Frühstück, Wäsche) → GOP = 4.250 €
- GOPPAR = 4.250 ÷ 100 = 42,50 €
Beim RevPAR wirken beide Szenarien fast identisch (104 € vs 104,50 €): Ein oberflächlicher Revenue Manager würde sie für gleichwertig halten. Doch beim GOPPAR gewinnt Szenario A klar (59 € gegen 42,50 €), weil es weniger gefüllt hat, aber mit weit höherer Marge.
Die Grundlage all dieser Überlegung ist zu wissen, was ein belegtes Zimmer wirklich kostet: Das berechnest du mit dem Rechner für Kosten je belegtem Zimmer. Und um den RevPAR in seine zwei Motoren – ADR und Belegung – zu zerlegen, gibt es den RevPAR- und ADR-Rechner.
Was ein "guter" GOPPAR ist
Wie beim RevPAR gibt es keine magische Zahl, die für alle gilt. Ein 5-Sterne-Resort und ein Budget-Hotel haben unvereinbare Kostenstrukturen. Der GOPPAR wird immer relativ beurteilt, nie absolut:
- Die Historie — der GOPPAR desselben Zeitraums des Vorjahres. Die Saisonalität dominiert: Vergleiche Juli mit Juli.
- Das Budget — das Ziel, das du zu Jahresbeginn gesetzt hast.
- Das Comp Set — Hotels, die nach Kategorie und Markt vergleichbar sind.
Eine nützliche Zusatzkennzahl ist die GOP-Marge (GOP ÷ Gesamterlös, in Prozent): Sie zeigt, welcher Anteil des Umsatzes zu Betriebsgewinn wird. Zusammen mit dem GOPPAR ergibt sich das volle Bild – einmal in Euro je Zimmer, einmal als Prozentsatz vom Erlös.
Die Hebel zur Steigerung des GOPPAR
Da GOPPAR = GOP ÷ verfügbare Zimmer und die Zimmerzahl fix ist, führt der einzige Weg über das Wachstum des GOP. Du hast zwei Fronten.
Die richtigen Erlöse heben
- Dynamic Pricing bei den Zimmerraten, um den Erlös in Nächten hoher Nachfrage zu maximieren.
- Margenstarke Bereiche pushen: F&B, Spa und Events bringen oft mehr als das nackte Zimmer.
- Direktkanal: Jede Buchung, die die OTA-Provision (15-25%) vermeidet, landet ganz im GOP.
Die Kosten im Griff behalten
- Personalkosten an die echte Belegung angepasst: Die Lohnsumme ist der schwerste Posten.
- Energie und Nebenkosten: Der Verbrauch je belegtem Zimmer ist ein konkreter, messbarer Hebel.
- Kluges Outsourcing von Wäscherei und Reinigung, wo es sich lohnt.
Das Prinzip ist eindeutig: Jede Entscheidung muss an ihrer Wirkung auf den GOP gemessen werden, nicht am Umsatz.
Häufige Fehler
- GOPPAR und RevPAR verwechseln. Sie sind verwandt, keine Zwillinge: Einer misst Erlös, der andere Gewinn. Preise und Aktionen allein am RevPAR auszurichten, führt dazu, das Hotel zu füllen und dabei Marge zu verlieren.
- OTA-Provisionen bei der Kostenrechnung vergessen. Eine Buchung über 150 € mit 18% Provision lässt real 123 € übrig: Wer das nicht abzieht, bläht den GOP auf.
- Verkaufte statt verfügbare Zimmer verwenden. Der GOPPAR-Nenner sind immer die verfügbaren Zimmer (Zimmer × Nächte), leere eingeschlossen. Ein Fehler hier macht die Zahl unvergleichbar.
- Miete und Abschreibungen in den GOP packen. Das sind nicht-operative Kosten: Der GOP lässt sie außen vor, um die reine Managementleistung zu messen.
- Den GOPPAR nur eines Monats betrachten. Ohne Vergleich mit Historie, Budget und Comp Set sagt der absolute Wert fast nichts.
Verwandte Ressourcen
- GOPPAR-Rechner — vom Erlös zum Gewinn je Zimmer
- RevPAR- und ADR-Rechner — die drei Erlös-KPIs auf einmal
- Rechner für Kosten je belegtem Zimmer — die Basis jeder Preisentscheidung